Rusty Spoon

Küche des Rusty Spoon, später Abend. Die letzten Gäste sind gegangen, das Licht im Gästebereich bei den Tischen ist bereits aus. Nur das bunte Licht der Straßen, sowie der asiatischen Papierlaternen über der Theke werfen ein müdes Licht auf die leeren Tische. Auf dem Herd dampft noch die Brühe für den nächsten Tag vor sich hin.

Iridium steht beim offenen Durchgang der Theke , eine leere Schüssel in der Hand, den Geruch von Miso, Knoblauch und geröstetem Sesam noch in der Nase. Kestrel trocknet sich die Hände an einem altmodischen Geschirrtuch ab, das aussieht, als hätte es längst schon in die Wäsche gemusst.

„Der Dietrich hat funktioniert, oder?“ fragt Kestrel sie beiläufig, ohne aufzusehen.

Iridium lehnt sich gegen die Theke und nickt. „Sogar besser als erwartet. Hab ein bisschen dran rumgeschraubt.“

Kestrel schaut jetzt doch auf, ein leichtes Grinsen spielt um seine Lippen. „Du schraubst gern an Zeug rum, hm?“

„Sagen wir, ich mag’s, wenn Dinge tun, was sie eigentlich nicht mehr tun sollten.“

„Das könnten einige hier im Bezirk ähnlich sehen ,“ murmelt er und dreht sich um. Mit einer fließenden Bewegung hebt er eine Wok-Pfanne von der Wand. Iridium hört ein leises Klicken, und sieht, wie sich die Wand neben dem Herd nach innen bewegt. Wow! eine Geheimtür, oder vielleicht auch nur eine funktional genutzte Tür mangels Platz. Dahinter: ein schmaler Raum. Sie vermutet, dass es die Speisekammer ist, doch im flackernden Neonlicht sieht sie Regale voller merkwürdiger Objekte: Trainingswaffen, modifizierte Handschuhe, alte MoodSync-Blocker, ein paar eingestaubte Dronen-Skelette. Alles sauber geordnet.

Iridium setzt die Schüssel auf der Küchenplatte ab und folgt Kestrell in den Raum hinein. Sie hebt eine Augenbraue. „Das ist nicht ganz legal, oder?“

Kestrel schüttelt gelassen den Kopf. „Legal ist ein Spektrum. Genau wie Farbe.“

Er deutet auf ein Regal, an dem ein paar halb zerlegte Geräte liegen, Kabel schauen heraus, ein Sensor blinkt schwach. „Hier bewahre ich Schrott auf, der sich verkaufen lässt. Aber viel kann man dafür nicht aufrufen, weil das meiste davon kaputt ist. Mit ein paar Handgriffen, vielleicht das eine oder andere Update aber, könnte es viel abwerfen. Aber leider habe ich, was sowas angeht zwei linke Hände. Vorallem sobald es an Mikroprozessoren geht.“

„Und mir zeigst du du das jetzt weil…?“ fragt Iridium während ihre Augen neugierig durch den Raum wandern .

„Weil du bist die Erste, die einen Dietrich reaktiviert hat, den ich fast weggeworfen hätte. Sag mir nicht, dass dich das hier nicht ein bisschen interessiert.“

Sie lässt ihre Fingerspitzen über die kantige Oberfläche eines alten MoodSync-Moduls gleiten.“Was bekommst du für einen funktionierenden MoodSync-Blocker?“

„Kommt darauf an, ob er sich auch wie ein Smoothie-Becher tarnen lässt.“

Iridium dreht sich zu ihm um. „Deal. Aber ich will freie Wahl bei den Ersatzteilen und die Hälfte des Verkaufspreises.“

Kestrel lacht, „Du meinst vom Umsatz, Iridium. Ich habe ja auch Kosten. Sagen wir also 30 Prozent des Umsatzes? Das Verkaufen ist auch Arbeit.“

„Aber ohne mich könntest du es nicht verkaufen“, erwidert Iridium.

„Doch, nur halt für weniger.“ Gesteht Kestrel. „Vierzig Prozent. Das ist mein letztes Angebot. Und kein Wort an irgendwen anders darüber.“

Kestrel hält Iridium die Hand hin und sie schlägt ein.

Kestrel nickt zufrieden. „Dann haben wir einen Deal. Aber fang besser nicht mit der Kiste da hinten an. Das sind die Reste der Drohnen, die irgendeine Graffiti-Künstlerin neulich mit einer Gummibandschleuder abgeschossen hat“.

Iridium lacht leise und Kestrel ist sich in diesem Moment sicher, dass es Töne gibt, die wertvoller sind als jeder Gegenstand, den er je verkaufen könnte.


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